EME auf 1.3 GHz 

Mein erstes EME QSO auf 23cm war eigentlich nur ein Test um zu sehen ob es überhaupt möglich ist mit Portabelanlage über den Mond zu kommunizieren. Heinrich, DJ9YW, rechnete alles erforderliche sorgfältig aus. Er ist seit einigen Jahren auf diesem Band sehr aktiv und hat jede Menge Erfahrung. Wir entschieden uns dazu, eine Mobilstation aufzubauen um damit aus jeder Ecke QRV zu werden. Das zweite Ziel war es, nicht mehr als 100 W Sendeleistung seitens der Mobilstation zu verwenden, weil in einigen Ländern (z.B. EA9, 3A) nicht mehr erlaubt ist. Klar, da wird es schwer in CW.

Erstmalige 23cm EME Aktivitäten aus: 3A, 4O, 5N, 8Q, 9A, BY, C6,  IS0, OA, OY, T7, T9, TK, TF, Z3, ZA und ZB2

WSJT hat sich als extrem leistungsfähig gezeigt. Anfangs verwendete ich noch JT44 und hatte allerhand Erfolge damit zu verzeichnen. Immerhin wurden zahlreiche Erstverbindungen getätigt. Auch nutzte ich zunächst meinen alten IC-706, dann später den IC-706mkIIG und nun schließlich den IC-7000. Da JT44 seit einiger Zeit von Joe nicht mehr weiterverfolgt wird, bin auch ich auf JT65 umgestiegen. Auf 23cm bietet sich der JT65C Mode an, da dieser noch in der Lage ist, trotz großer Frequenzdrift auf 23cm (bedingt durch den Doppler), zuverlässig zu decodieren. Sehr sinnvoll ist die Spektralfunktion, bei der man direkt das Signal sehen kann.

JT65 screenshot QSO DL3OCH - DJ9YW

 

Wie im oberen Screenshot zu sehen ist, hatte ich hier ein QSO mit Heinrich, DJ9YW. Das Wetter war an diesem Tag sehr schlecht. Es war windig, was das manuelle Ausrichten der Antenne schwierig macht. Außerdem war es sehr bewölkt und regnerisch. Dennoch waren Heinrichs schwache Signale gut zu decodieren. In der roten Linie ist ein schwacher Peak zu sehen. Die grüne Linie, welche den Signalpegel über die Zeit anzeigt, sollte so schön glatt und ruhig sein wie hier. Es wird jeweils 1Minute gesendet und 1Minute empfangen. Das NF-Signal wird abgetastet und abgespeichert. Anschließend wird es analysiert und decodiert. Der Rechner sollte nicht zu langsam sein, da die Decodierung eine gewisse Rechenleistung voraussetzt. Ich benutze einen alten Laptop mit 650MHz Celeron für diese Zwecke. Ich würde jedem empfehlen, die NF-Eingänge des Rechners zu untersuchen und ein paar Tests mit JT65 zu machen. Bei meinem Laptop ist es z.B. so, dass der Line-In Eingang für diese Zwecke nicht zu gebrauchen ist. Das NF-Spektrum wird nicht linear übertragen. Höhen und besonders die tiefen Frequenzen werden "abgeschnitten". Der Mikrofon Eingang funktioniert bei mir wunderbar. Das Spektrum wird nicht verfälscht.

(Nur für den Fall, dass sich jemand über die rote Warnung "1.000 1.000" wundert... ich weiß nicht was hier los war. Jetzt funktioniert es wieder und die Meldung ist weg.) 

Im unteren Screenshot ist das Spektrum des oben zu sehenden schwachen Signals zu erkennen. Die schwache dünne Linie ist der Synchton. Dieser läuft schräg, da die Dopplershift sich ständig ändert. An diesem Tag driftete der Doppler um etwa 12Hz pro Minute. In diesem Spektrum sollte der gesamte Bereich von 600Hz bis 2,4kHz etwa die gleiche Farbe zeigen. Wenn das Spektrum so aussieht wie hier gezeigt, wird das ganze NF-Spektrum einigermaßen linear übertragen. Wenn dies nicht der Fall ist, dann ist die Mitte deutlich heller und links bzw. rechts davon dann deutlich dunkler. Ist dies der Fall, dann muss untersucht werden, wo das Spektrum verfälscht wird.

 

Ein QSO dauert bei solch schwachen Signalen etwa 20Minuten. Sind die Signale etwas stärker, reichen auch schon 6Minuten aus. Um nicht unnötig viele Sendedurchgänge zu benötigen, hier eine kurze Auflistung, wie ein JT65 QSO ablaufen sollte. Da oftmals behauptet wird, bei JT65 werden gar keine richtigen QSOs gefahren, möchte ich zum Vergleich dazu den Ablauf eines CW QSOs darstellen.

 

Nr.

Ablauf eines QSOs in JT65

Ablauf eines Standard CW QSOs

 
1 CQ DL3OCH   CQ DE VP9/DL3OCH   CQ-Ruf
2   DL3OCH K2UYH FN20   DL2JRM Antwort
3 K2UYH DL3OCH OOO   DL2JRM 599   Rapport
4   RO   599 TU Rapport
5 RRR   73 DE VP9/DL3OCH    
6   73      

 

Was den "WSJT-Gegnern" anscheinend ein Dorn im Auge ist, dass man nichts mehr hört und das Rufzeichen nicht komplett empfangen werden muss, um dennoch auf dem Bildschirm angezeigt zu werden. Nachdem das JT65 Signal fertig empfangen wurde, wird es analysiert und decodiert. Ist dies nicht möglich, da z.B. zu starke Signaleinbrüche da waren, wird der so genannte "deep-search" decoder aktiviert. Hat man einen Sked und weiß das Call und den Locator der Gegenstation, dann wird im Rechner eine Nachricht erzeugt, die vom QSO Partner erwartet wurde. Nun wird das empfangene Signal mit dieser generierten Nachricht verglichen. Korrelieren diese beiden Signale ausreichend miteinander, wird der QSO Text mit einem Fragezeichen angezeigt. Dies erzeugt immer wieder kritische Kommentare zu diesem Mode, da eben nicht die komplette Nachricht empfangen werden muss um dennoch den Text anzuzeigen. Mittlerweile habe ich allerhand QSOs in JT65 durchgeführt und kann sagen, dass der oft kritisierte "Deep-Search" Decoder nicht wirklich nötig ist und ab der Version 5.9.5. ist er sogar abschaltbar. Selbst wenn das Signal so schwach ist, dass nicht direkt decodiert wird, dann ist nach etwa drei bis vier Durchgängen der Text auch ohne Deep-Seach decodiert, da die einzelnen Durchgänge miteinander korreliert werden. Auch hört man immer mal wieder von Gegnern, dass nur QSOs mit Signalen stärker -25dB gültig sind, da hier in der Regel sofort ohne DSD decodiert werden kann. Gerne sende ich Ihnen ein WAV File zu, bei dem Random-Text (dieser kann nicht mit DSD decodiert werden) bereits bei -28dB decodiert wurde.

Was allerdings nicht erwähnt wird ist, dass es bei anderen Modulationsarten ebenso zugeht. Der Ablauf eines CW QSOs zeigt, dass DL2JRM nichtmal das Call der Gegenstation wiederholt. Außerdem muss das Signal nicht 599 gewesen sein. Auch bei kaum aufnehmbaren Signalen wird 599 gegeben. Ebenso muss DL2JRM nie mein ganzes Rufzeichen aufgenommen haben. Ein Blick ins DXcluster wird ihm schon verraten haben, wer am Ende des Pile-ups gesessen hat. Keiner der CW EME OPs kann mir erzählen, dass er ein Rufzeichen nicht schon eher hört, wenn das Rufzeichen vorher bekannt ist. Übrigens hat das hervorragende Contest und DXpeditions Programm WIN-TEST einen eingebauten DSD für CW und SSB... wo ist also das Problem? 

Ich möchte niemandem unterstellen, dass kein ordentlicher QSO Verkehr abgewickelt wird. Man sollte sich doch aber immer wieder fragen, was mit so viel Kritik an neuen (und wirklich technisch sehr interessanten) Modulationsarten erreicht werden soll. Seid ein wenig tolerant gegenüber anderen Leuten, die eben keine großen Antennen aufbauen können (oder wollen) und mit wenig Leistung viel erreichen wollen. WSJT ist auf jeden Fall eine bemerkenswerte und extrem leistungsfähige Modulationsart, die mehr Anerkennung verdient hat, als sie tatsächlich bekommt. 

Ich bevorzuge übrigens nicht deswegen JT65 über den Mond, weil ich kein CW mag (davon kann bei mindestens 10.000 QSOs jährlich nun wirklich nicht die Rede sein), sondern weil selbst mit dem 1,8m Spiegel nur wenige Stationen in CW zu erreichen sind.

 

Hier einige Bilder meiner EME Aktivität auf 1,3 GHz:

 

1,8m Segmentspiegel

f/D: 0,36

Gewinn: 24dBic

Zircular Patchfeed (nach W0LMD)

59 element Yagi

Gewinn: 21,8 dBi

Länge: 5 Meter

IC-7000

Transverter (Made by DJ9YW)

Typ: BJ 250 A

Input: 50 MHz / 4 Watt

Output: 1296 MHz / bis zu 100 Watt

Extras: Temperaturgesteuerter Lüfter, DCF77 Uhr, sehr stabile Schaltnetzteile für die 12V Benutzung, diverse Schutzschaltungen,

sehr frequenzstabiler OCXO mit delta f < +/- 6Hz (auf 23cm!!)

Transceiver IC-7000

Mode: USB; 2,4kHz Filter, NB ein,

Comp/preamp/ATT/NR off

Achtung: sendeseitig kein Filter einschalten!

Rechts im Bild sind Heinrich und ich zu sehen. Heinrich benutzt einen Spiegel mit 4,5m Durchmesser (33dBi Gewinn) und hat eine Sendeleistung von 540W . Er ist die kleinste Station die ich mit meiner einen Yagi arbeiten kann.

Die rot markierten Großfelder wurden bereits von mir aktiviert. Zur Vergrößerung einfach auf die Karte klicken.

Nicht auf der Karte markiert: EL93 (C6), EL95 (W4), OM92 (BY), FH17 (OA)

Wohin geht's als nächstes?